Der Einsatz von Medikamenten gehört zum Kerngeschäft von Psychiatern. Bei schweren psychiatrischen Erkrankungen können Medikamente ein Hauptpfeiler der Behandlung sein und sind in manchen Fällen unverzichtbar.
Bei leichteren Störungen wird der Einsatz von Medikamenten aber kontrovers diskutiert. Die uns verfügbaren Medikamente können zu Nebenwirkungen führen. Deswegen braucht es immer eine sorgfältige Güterabwägung, bei der die jeweilige individuelle Krankheitssituation und die Präferenzen der Patientin oder des Patienten berücksichtigt werden.
Nachdem die Gefahren einer Abhängigkeit bei der Medikamentenklasse der Benzodiazepinen allgemein anerkannt worden ist, und deren Verschreibungshäufigkeit zurückgegangen ist, sind in den letzten Jahrzehnten vor allem eine bestimmte Gruppe von sogenannten „Antidepressiva“, die SSRI, häufig verschrieben worden. Es wird aber immer deutlicher, dass auch diese Medikamente sehr problematisch sein können, und relevante Nebenwirkungen nicht selten sind. Gerade das Absetzen der Medikation nach längerer Behandlungsdauer kann zu Problemen führen. Zumindest teilweise lässt sich das Risiko von sogenannten Absetzphänomenen und Entzugssymptomen durch eine schrittweise Dosisreduktion über längere Zeiträume mindern.
Ich biete in meiner Praxis eine spezialisierte Sprechstunde zu medikamentöser Behandlung an. Im Rahmen dieser Sprechstunde biete ich auch eine fachlich fundierte Zweitmeinung bei Fragen zu Psychopharmaka an. Ich berate und begleite zudem Menschen, die eine Dosisreduktion oder ein vollständiges Ausschleichen ihrer Medikation wünschen. Dabei gilt es, die ursprünglichen Gründe für den Beginn einer Pharmakotherapie, ein mögliches Rückfallrisiko, die Behandlungsdauer und das Risiko von Absetzphänomenen sowie andere mögliche Vor- und Nachteile der Behandlung zu berücksichtigen.
In einem ersten Beratungsgespräch, bei dem die individuelle Krankheits- und Behandlungsgeschichte erfasst wird, wird gemeinsam entschieden wie weiter vorgegangen werden soll. In Fällen, in denen mir eine Dosisreduktion nicht indiziert scheint, verweise ich die Patienten zurück an Ihre vorbehandelnden Ärzte. In Fällen in denen wir ein Ausschleichen der Medikation bzw. eine Dosisreduktion für sinnvoll halten, wird situationsabhängig die psychopharmakologische Begleitung dieses Prozesses durch die vorbehandelnen Ärzte oder durch mich erfolgen.
Typischerweise kann ein Medikament bei höheren Dosierungen zu Beginn relativ einfach reduziert werden, es gilt dann aber vor einem nächsten Reduktionsschritt genug lange abzuwarten um zu beurteilen wie die Dosis weiter reduziert werden kann. Im weiteren Verlauf muss in immer kleineren Schritten reduziert werden, da typischerweise die letzten Reduktionsschritte am schwierigsten sind.
Aufgrund der Risiken von Absetzphänomenen und von Rückfällen ist vor einer selbständigen Dosisreduktion ohne ärztliche Begleitung ausdrücklich zu warnen.